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17. Juni 2004

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Neue Rezension von „Was ist Medizin?“

Kürzlich in amazon.de entdeckt:
Eine interessante Rezension eines wichtigen Buchs:

Was ist Medizin? Westliche und östliche Wege der Heilkunst.

Ausgehend von seinen eigenen Forschungen und assistiert durch Zitate nur der Spitzenvertreter medizinhistorischer Forschung zeigt der Münchener Sinologe und Medizinhistoriker Unschuld in diesem Buch vielfach schlüssig und nachvollziehbar, manchmal auch provokativ und zum Nachdenken über alternative Erklärungsmodelle anregend, auf, welchen Gesetzen medizinische Grundlagentheorien der vergangenen zwei Jahrtausende in Ost und West gefolgt sind.

Der Mensch will in sicherer Ordnung leben. Kultur ist nicht zuletzt die Summe aller Bemühungen, ein Leben in Sicherheit und Ordnung zu gestalten. Die Ordnung, die man sich in der Gesellschaft wünscht, ist auch die Ordnung, die man im individuellen Organismus sieht. Was die große Ordnung stört oder aufrechterhält, das stört oder garantiert auch die Ordnung im eigenen Körper. So hat sich, dies ist das zentrale Argument Unschulds, medizinische Grundlagentheorie immer dann geändert, wenn sich die Ordnungsvorstellungen grundlegend geändert haben. Ängste vor dem Verlust der Ordnung und Hoffnungen auf eine neue Ordnung beeinflussen die Vorstellungen vom Körper, seiner Gesundheit und seinen Krankheiten.

In Gesellschaften, in denen Gruppen mit unterschiedlichen Ordnungsvorstellungen und verschiedenen existenziellen Ängsten zusammenleben, ist es daher auch nicht überraschend, dass diese Gruppen unterschiedlichen heilkundlichen Grundvorstellungen folgen.

Die Details dieser faszinierenden Geschichte bietet Unschuld an Hand einer ersten vergleichenden Untersuchung der Geschichte der Heilkunde in Europa und China.

Was ist Medizin? beschreitet nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich völlig neue Wege. Unschuld komponiert Sprache als Musik. Die Argumentation beginnt bedächtig wie ein langsamer Walzer. Wie in einer Symphonie führt der Autor ein Thema ein und kommt auf dieses Thema immer wieder zurück – in zahlreichen Variationen hin- und herpendelnd zwischen China und Europa und fortschreitend von Jahrhundert zu Jahrhundert. Gleichzeitig wandelt sich die Geschwindigkeit der Sprache, bis sie, dem immer rascheren Fortschritt der Meinungen und Einsichten in Wissenschaft und Medizin folgend, schließlich in der Dissonanz der Gegenwart angelangt mal die kurze Exklamation, mal die ruhige Betrachtungsweise miteinander mischt. Ein bemerkenswertes Werk, das sich von den vielen unkritischen Darstellungen östlicher Medizin abhebt.

cover Was ist Medizin?
Westliche und östliche Wege der Heilkunst.
C. H. Beck Verlag, München, € 19.90. Paperback



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