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23. November 2006

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Sonderbudget für die Akupunkturleistungen

Wie in der Politik üblich werden viele wichtige Entscheidungen hinter verschlossenen Türen getroffen und nur wenig öffentlich diskutiert.

So wird es jetzt auch mit der Akupunktur gehandhabt.

Die gesetzlichen Kassen verhandeln mit der KV hinter verschlossenen Türen über Akupunktur. Nur wenig wird den betroffenen Patienten und Ärzten öffentlich mitgeteilt.

Deshalb eine Anfrage:

Sehr geehrter Herr Dr. Köhler,

die Verhandlungen zwischen den gesetzlichen Krankenkassen und der KBV sind sicherlich in vollem Gange.

Wird es ein Sonderbudget für die Akupunktur geben und in welcher Höhe?

Dies sind die Fragen in diesem offenen Brief.

Diese Fragen interessieren viele Kollegen, da bekannt ist, dass die gesetzlichen Krankenkassen die bisherigen Ausgaben für Akupunktur, die mit 300 Mio. Euro geschätzt wurden, deutlich reduzieren wollen.

Ich bitte hier um eine Stellungnahme.

Mit freundlichen Grüßen,
Dr. med. Gabriel Stux

 

Antwortbrief von Dr. Herzog, KBV schrieb am 24. Oktober:

Sonderbudget für die Akupunkturleistungen

Sehr geehrter Herr Dr. Stux,

herzlichen Dank für Ihr persönlich an Herrn Dr. Köhler gerichtetes Schreiben vom 20. Oktober 2006 welches zuständigkeitshalber an den Unterzeichner weitergeleitet wurde.

Die Neuaufnahme von Akupunkturleistungen gemäß des Beschlusses des Gemeinsamen Bundesausschusses vom 18. April 2006 wurde bereits mehrfach im Arbeitsausschuss des Bewertungsausschusses diskutiert, um die entsprechenden Gebührenordnungspositionen in den EBM aufzunehmen.

Einigkeit zwischen Kassen- und Ärzteseite konnte bisher erzielt werden in Fragen zur Leistungslegendierung und Bewertung dieser Leistungen. Zeitgleich mit dem In-Kraft-Treten der diesbezüglichen EBM-Regelungen soll auf ausdrücklichen Wunsch der Kassenseite eine Qualitätssicherungsvereinbarung nach § 135 Abs. 2 SGB V vereinbart werden, deren endgültige Konsentierung derzeit noch aussteht.

Verknüpft wird die Einführung einer „neuen Leistung“ in den EBM regelhaft mit einer Bundesempfehlung der Spitzenverbände der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zur Finanzierung der Einführung dieser Leistung. Hier wird den Partnern der Gesamtverträge empfohlen, sowohl für die Vergütung dieser Leistung einen festen Punktwert zu vereinbaren, als auch die Vergütung außerhalb der budgetierten bzw. pauschalierten Gesamtvergütungen zu vereinbaren, Des bedeutet, in Bezug auf die jeweiligen Gesamtvergütungen, eine entsprechende Erhöhung des zur Verfügung stehenden Finanzvolumens.

Für weitere Rückfragen steht Ihnen der Unterzeichner gern zur Verfügung.“

i.A.

Dr. Rolf Herzog
Abteilungsleiter EBM

Telefonische Rückfrage

In einem sehr positiven Gespräch mit Dr. Herzog, Abteilungsleiter EBM in der KBV, konnte geklärt werden, dass die Akupunktur unabhängig vom normalen Budget, d. h. extrabudgetär honoriert wird.

Zunächst ist dieses Extrabudget nicht begrenzt auf einen bestimmten Betrag, allerdings gibt es durch die „Qualitätsanforderungen“ zukünftig Möglichkeiten der Begrenzung.

 

Kommentar

Es ist zu wahrscheinlich, dass nicht alle Ärzte die bisher Akupunktur abgerechnet haben, die zweimal 80-Stunden Zusatzausbildung im Verlauf des Jahres 2007 ableisten können.

Viele Ärzte werden aber aus der EBM-Akupunktur aussteigen, weil die deutlich reduzierte Honorierung nicht ausreicht für eine zeitaufwendige Akupunktur nach den Regeln der Kunst.

Auch die Reduzierung der Akupunktur auf lediglich zwei Diagnosen ist wissenschaftlich nicht haltbar, aber politisch gewollt.

Man wird den Patienten vermehrt auch vermitteln, dass die Akupunktur bei zahlreichen Diagnosen wie z.B. Allergie, Asthma, Migräne, PMS, HWS-Syndrom und sonstige Osteoarthritis hervorragend wirksam ist, oft viel wirksamer als westliche Standardtherapie.

Wie Prof. Bruce Pomeranz bereits 1990 feststellte, ist die westliche Medizin in vielen Bereichen nicht kosteneffektiv, d.h. trotz der hohen Kosten z.B. durch übermäßige Diagnostik und wenig wirksamen Medikamenten, wird nur wenig therapeutischer Erfolg erzielt. Folge: Patienten laufen von einem Arzt zum anderen, ohne wirkliche Hilfe zu bekommen.

Die westliche Medizin wird bisher fast ohne wirkliche Grenzen bezahlt, aber bei der Akupunktur, die z.B. bei Rückenschmerzen zweimal und bei Knieschmerzen dreimal so wirksam ist, wie westliche Standardtherapie, werden erneut die Ausgaben reduziert.




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