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Akupunktur bei Emesis

von Bruce Pomeranz

In einer kürzlich publizierten Reihe von Studien erwies sich eine deutliche Wirksamkeit der Akupunktur in der Behandlung von Übelkeit (Nausea), wobei der Punkt Pe. 6 genadelt wurde, d. h. der Nervus medianus am Unterarm. In 10 von 12 publizierten Studien war die Behandlung sehr wirksam. Von diesen 10 erfolgreichen Studien arbeiteten 6 mit Plazebo-Kontrollgruppen [8 a, 46 a, b, c, d, 78 a], zwei hatten eine Kontrolle ohne jede Behandlung [8 a, 79 a], und zwei hatten eine Kontrollgruppe mit medikamentöser Behandlung [1 a, 57 a]. Akupunktur erwies sich als wirksamer als Plazebo und als Behandlungslosigkeit, und war ebenso wirksam wie die medikamentöse Therapie. In den 10 Studien mit positiven Behandlungserfolgen wurden verschiedene Formen der Stimulation von Pe. 6 angewendet. Akupressur, manuelles Drehen der Nadel oder Elektroakupunktur erwiesen sich als etwa gleich wirksam. Von diesen 10 Studien hatten 6 die postoperative Nausea zum Gegenstand [8 a, 38 a, 46 a, c, 57 a], zwei handelten von morgendlichem Schwangerschaftserbrechen [46 d, 79 a] und zwei von Nausea infolge von Chemotherapie gegen Krebs [1 a, 46 b]. Eine erfolglose Studie wendete die Akupunktur gegen experimentell induzierten Brechreiz an [17 a]. Eine weitere Untersuchung ohne Behandlungserfolg applizierte die Akupunktur zum falschen Zeitpunkt: Nach dem Beginn der Anästhesie und vor dem chirurgischen Eingriff [220 a]. Die Ergebnisse mit Akupressur am Punkt Pe. 6 waren weniger gut bei schwerem Erbrechen [49 g, 95 a] aber recht gut bei leichteren Problemen wie morgendlichem Brechreiz bei Schwangerschaft [11 a, 43 a]. In Anbetracht der enormen Risiken der medikamentösen Behandlung bei schwangeren Frauen könnte die Akupressur gegen morgendliche Übelkeit in der Schwangerschaft der medikamentösen Therapie vorzuziehen sein. Außerdem erwies Akupunktur sich als wirksam gegen milde Beschwerden im Sinne von "Reisekrankheit" [12 a, 79 c]. Alles in allem gibt es hier bereits eine kritische Masse von Ergebnissen, die für die Wirksamkeit der Akupunktur gegen Brechreiz sprechen. Jedoch bleibt der Wirkmechanismus unklar. Die lokalanästhetische Blockade des Nervus medianus konnte die Wirkung unterbinden [46 f]. Vielleicht erreichen sensorische Afferenzen aus dem Nervus medianus auf irgendeine Weise die Area postrema des Hirnstamms, um dort den Brechreiz zu blockieren? Elektrophysiologische Untersuchungen können in dieser wichtigen Frage möglicherweise weiterhelfen.

Angesichts der gestiegenen Zahlen von Untersuchungen zur Antiemesis gibt es nun ein paar neuere Übersichtsarbeiten [142 a, 196 b]. Vickers zum Beispiel kommt zu dem Ergebnis, daß 27 von 29 randomisiert kontrollierten Studien positive Ergebnisse erbrachten, und wenn man die biometrisch besonders anspruchsvollen Studien allein betrachtet, zeigten 11 von 12 positive Ergebnisse [196 b]. So war dann auch Profitts Vortrag vor den FDA-Beamten [142 a] für diese so überzeugend, daß von den 5 diskutierten Indikationen (Schmerz, Sucht, Schlaganfall, Lungenerkrankungen und Antiemesis) die FDA nur die letztere als voll ausreichend überprüfte Indikation akzeptieren konnte. Dundee präsentiert in einer Übersichtsarbeit über seine eigenen Studienresultate zum Brechreiz bei Chemotherapie folgende Zahlen: Von 69 stationären Patienten zeigten 97 % gute bis sehr gute Ergebnisse, von 101 ambulanten Patienten zeigten 90 % gute bis sehr gute Ergebnisse nach Akupunktur [46 i].

Prof. Bruce Pomeranz
University of Toronto
25, Harbord Street
Toronto, Canada

Aus: Stux, Stiller, Pomeranz (1999): Akupunktur - Lehrbuch und Atlas, Kapitel 2,
5. Auflage, Springer Verlag, Berlin Heidelberg New York

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