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Akupressur: Einsparung von Medikamenten durch
Selbstbehandlungvon Gabriel
Stux
Akupressur ist ein wichtiges Teilgebiet der traditionellen chinesischen
Medizin. Durch gezielte Massage an Akupunkturpunkten wird eine Heilwirkung
bei leichten und mittelschweren Störungen und Erkrankungen erreicht. Die
Akupressur wird schon seit der Antike auch als Selbstbehandlung
angewendet. Schon Schulkinder lernen die wichtigsten Punkte für die
Akupressur und die Technik der Massage für die Selbstbehandlung. Auch im
Westen hat man in den letzten Jahren die Vorzüge der traditionellen
chinesischen Medizin erkannt und bringt darum sowohl der Akupunktur als
auch der Akupressur und dem Shiatsu, der japanischen Variante, steigendes
Interesse entgegen. Akupressur ist frei von Nebenwirkungen und bietet
gerade deshalb Vorteile im Vergleich z.B. zu den schmerzstillenden
Medikamenten, die mit Nebenwirkungen behaftet sind.
Anwendungsgebiete der
Akupressur
Das Hauptanwendungsgebiet der Akupressur ist die Behandlung von
leichten und mittelschweren Schmerzzuständen wie Kopfschmerzen, Gesichts-
und Zahnschmerzen, Nacken- und Schulterschmerzen, Ischialgien und
Lumbalgien. Viele vegetative und psychosomatische Störungen lassen sich
ebenfalls positiv beeinflussen, wie z.B. Nervosität, innere Unruhe,
Schlafstörungen, Verstopfung, Menstruationsstörungen aber auch
Übelkeit, Brechreiz und Seekrankheit.
Wirkungsweise der Akupressur
Die chinesischen Ärzte sahen den Menschen in einer intensiven
Wechselbeziehung zu der ihn umgebenden Natur. Alle Lebensvorgänge sowohl
im Menschen als auch in der Natur betrachtete man als geordnetes Fließen
einer Lebensenergie, Qi von den Chinesen genannt. Die Lebensenergie
fließt im menschlichen Körper ständig durch ein System von
"Kanälen", die von Europäern Meridiane genannt werden. Die
Meridiane wurden in der Antike mit den großen Flüssen in China
verglichen, die das lebensnotwendige Wasser für die Bewässerung
heranführen. Ähnlich sah man die Aufgabe der Meridiane als
Transportgefäße für die Lebenskräfte. Die chinesische Medizin kennt
ein System von 12 Hauptmeridianen, die mit inneren Organen wie Herz,
Lunge, Niere, Magen usw. in Verbindung stehen und nach den entsprechenden
Organen benannt sind: Herzmeridian, Lungenmeridian, Nierenmeridian,
Magenmeridian usw.
Das Fließen der Lebensenergie durch die Meridiane ist nach chinesischer
Vorstellung bei Krankheiten gestört. Entweder liegt eine Fülle oder
Schwäche der Lebensenergie in den Meridianen und Organen vor, auch eine
Blockade ist möglich. Bei Kopfschmerzen z.B. liegt eine Blockade vor und
folglich meist eine Fülle der Lebensenergie, die zu Spannungsgefühlen
und Schmerzen führt. Solche Blockaden und Fülle- bzw.
Schwächestörungen lassen sich durch Akupunktur oder Akupressur von
besonderen Meridianpunkten dauerhaft beheben. Bei der Akupunktur geschieht
dies durch das Stechen von Nadeln in Punkte, bei der Akupressur massiert
man diese Akupunkturpunkte. Die Akupressurmassage wirkt ausgleichend auf
die Energiestörungen der Meridiane.
Störungen der Lebensenergie in den Meridianen und Organen treten auf,
wenn die Kräfte der umgebenden Natur, etwa in Form von Klimafaktoren auf
den geschwächten Körper wirken. Äußere klimatische Faktoren sind
Hitze, Kälte, Trockenheit, Wind oder eine Kombination dieser Faktoren,
z.B. kalter, trockener Wind. Im alten China unterlagen die Menschen den
Wetterfaktoren in einem hohen Maße. Auch bei uns im Westen treten solche
klimatisch bedingten schmerzhaften Störungen, häufig bei Wetterwechsel,
auf.
Auch innere Ursachen von Störungen der Lebensenergie, durch falsche
Ernährung oder durch übermäßige psychische Belastungen kommen als
Krankheitsursache in Frage. Ein Übermaß an Angst, Wut, Zorn, Grübeln,
Erregung oder Traurigkeit führt zu einer Schwächung bzw. Blockade der
Energie einzelner Organe und Meridiane und so zu krankhaften Störungen.
Wut und Zorn führen häufig zu einer Blockade sowie einer begleitenden
Füllestörung im Verlauf des Gallenblasenmeridians des Kopfes, was
Spannungsgefühle und Kopfschmerzen bedingt.
Vor jeder Selbstbehandlung durch Akupressur muss eine genaue Diagnose
durch den behandelnden Arzt gestellt werden, um zu verhindern, dass
schwerwiegende bzw. bösartige Erkrankungen verschleiert oder nicht
erkannt werden. Deshalb sollte jede Akupressur zur Selbsthilfe vorher mit
dem behandelnden Arzt besprochen werden. Akupressur ist auch kein Ersatz
für eine Akupunkturbehandlung oder konventionelle Therapie, sondern eine
Ergänzung und Unterstützung anderer Heilverfahren.
Durch die Selbstbehandlung wird der Patient direkter mit seiner
krankhaften Störung konfrontiert, er wird bewusster im Umgang mit seiner
Krankheit und oft auch für deren Ursache. Dies fördert das Gefühl der
Selbstverantwortung für seine Krankheit.
Technik der Akupressur
Die Massage erfolgt gezielt mit der Fingerkuppe des Zeigefingers oder
des Daumens, bei einigen Punkten mit dem Nagel. Man massiert mit
kreisender Bewegung oder in Längsrichtung zum Meridian, also auf und ab.
Die massierende Bewegung wird in Richtung des Meridianflusses betont.
Die Betonung der Massagerichtung entlang der Flussrichtung des Meridians
ist besonders bei der Behandlung von ausstrahlenden Schmerzen von
Bedeutung. Oft strahlen Schmerzen entlang der Meridiane aus; gerade dann
ist es wichtig, Punkte des entsprechenden Meridians intensiv zu massieren.
Der Massagedruck ist je nach Lage der Akupunkturpunkte unterschiedlich:
Punkte im Bereich von Muskeln werden kräftig massiert, während Punkte im
Gesicht und über Nervenaustrittsstellen vorsichtiger behandelt werden.
Bei geschwächten und sensiblen Patienten massiert man weniger intensiv
als bei athletischen. Am Anfang der Behandlung ist der Massagedruck
zunächst geringer und wird dann langsam und stetig gesteigert. Die
Massage sollte jedoch nie schmerzhaft sein. Die Massagezeit beträgt bei
den Nahpunkten im Bereich der Erkrankung 30-60 Sekunden je Punkt und bei
den Fernpunkten an den Armen und Beinen 1-2 Minuten je Punkt.
Punkte mit besonderer
Wirksamkeit
Nachfolgend werden die wirksamsten Akupunkturpunkte vorgestellt, die in
der Akupressur eine wichtige Rolle spielen. Die Punkte liegen auf einem
Meridian und haben eine Zahl, die die Reihenfolge auf dem Meridian angibt,
zum Beispiel ist "Dickdarm 4" der 4. Punkt des
Dickdarmmeridians.
Dickdarm 4 Hegu
- Bedeutung: Stärkster schmerzlindernder Punkt im Körper.
Zusätzliche besondere Wirksamkeit auf das Gesicht und den Kopf.
Anwendung bei allen Schmerzzuständen, besonders bei Kopf- und
Gesichtsschmerzen.
- Lage:
Auf der Mitte des Muskels zwischen Daumen und Zeigefinger.
- Anwendung:
Kräftige Massage des Punktes zwischen dem Daumen und
Zeigefinger für 1-2 Minuten je Seite. Wiederholung nach jeweils 15-30
Minuten, bis Schmerzfreiheit erreicht ist. Man sollte kräftig
massieren, um ein starkes Druckgefühl dieser Stelle zu erreichen,
jedoch ohne einen Schmerz auszulösen.
Perikard 6 Neiguan
Besondere Wirkung bei Übelkeit, Brechreiz,
Erbrechen, Schwindel, Schluckauf, Sodbrennen, Seekrankheit,
Magenschmerzen, Verdauungsbeschwerden. Auch psychisch beruhigender Punkt
bei innerer Unruhe, Nervosität, psychischen Erregungszuständen,
vegetativer Dystonie, Angstzuständen, vegetativen
Herzrhythmusstörungen.
Lage: Auf der Innenseite des Unterarms, auf der Mitte zwischen
Ulna und Radialis, zwischen den beiden hier tastbaren Beugesehnen der
Finger, zweieinhalb Fingerbreiten proximal von der Beugefalte des
Handgelenks.
Anwendung: Kräftiger, massierender Druck mit dem Zeigefinger für
1-2 Minuten beiderseits, mehrmalige Wiederholung nach jeweils 15-30
Minuten. Bei Massage ist ein starkes, in der Tiefe fühlbares Druckgefühl
auszulösen.
Herz 7 Shenmen
Stark psychisch beruhigender Punkt. Besondere Wirkung
bei innerer Unruhe, Nervosität, psychischen Erregungszuständen,
Schlaflosigkeit, Angstzuständen, vegetativer Dystonie, vegetativen
Herzrhythmusstörungen.
Lage: Auf der Beugefalte des Handgelenks, seitlich der Sehne des
M. flexor carpi ulnaris.
Anwendung: Kräftiger, massierender Druck mit dem Nagel des
Zeigefingers oder des Daumens für 30-60 Sekunden beiderseits.
Wiederholung nach 15-30 Minuten.
Magen 36 Zusanli
Wichtiger Punkt bei Magen- und Darmbeschwerden,
Übelkeit, Brechreiz, Bauchschmerzen, Durchfallerkrankungen, aber auch
bei Verstopfung. Anregender Punkt bei Abgeschlagenheit, niedrigem
Blutdruck, Schwächezuständen.
Lage: Man tastet die Schienbeinkante von unten nach oben, bis man
knapp unterhalb des Kniegelenks die Tuberositas tibiae fühlt. Von Beginn
dieses Vorsprungs geht man eine Fingerbreite seitlich.
Anwendung: Kräftige, kreisende Massage des Punktes mit dem Daumen
oder mit dem Zeigefinger für 1-2 Minuten. Moxibustion, d.h. die
Wärmeanwendung ist bei Schwächezuständen besonders wirksam.
Milz-Pankreas 6 Sanyinjiao
Wichtigster Punkt bei Erkrankungen des kleinen
Beckens, der Harnwege und des Genitalsystems. Besonders hilfreich bei
schmerzhaften Menstruationsstörungen und Beschwerden beim Wasserlassen.
Ebenfalls wichtiger anregender Punkt bei Schwächezuständen, niedrigem
Blutdruck und Abgeschlagenheit.
Lage: An der Innenseite des Unterschenkels, eine Handbreit (vier
Finger) oberhalb des höchsten Punktes des Innenknöchels an der
Hinterkante des Schienbeins.
Anwendung: Kräftige Massage des Punktes mit dem Daumen oder dem
Zeigefinger für 1-2 Minuten. Wiederholung nach 30-60 Minuten.
Literatur zur weiteren
Information
Stux G (1984) Akupressur Videofilm Erkrankungen im Kopfbereich.
Eigenverlag, Düsseldorf
Stux G(1990) Akupunktur, Akupressur und Moxibustion. Birkhäuser
Verlag, Basel
Stux G, Stiller N, Pomeranz B (1999) Akupunktur Lehrbuch und Atlas,
5. Auflage. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, New York
Stux G (1999) Einführung in die Akupunktur, 5. Auflage.
Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, New York
Dr. med. Gabriel Stux
Akupunktur Centrum
Goltsteinstraße 26
40211 Düsseldorf
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