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Akupunktur in Deutschland, geschichtliche Entwicklung

von Gabriel Stux

Anfang der 50er Jahre begann Bachmann einige Ärzte in Akupunktur zu unterrichten. Bachmann erlernte Akupunktur in Frankreich von De la Fuye. Er war der erste Wegbereiter der Akupunktur in Deutschland und gründete 1951 die Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur. In den folgenden zwei Jahrzehnten entwickelte sich die Akupunktur sehr langsam, da das Interesse gering war und Akupunktur als exotische Außenseitermethode betrachtet wurde. Nur knapp hundert Ärzte praktizierten die Methode.

Mitte der 70er Jahre, durch die Öffnung Chinas nach der Kulturrevolution, nahm das Interesse an der Akupunktur deutlich zu. Ausgelöst durch spektakuläre Filmaufnahmen von wachen Patienten, die unter Akupunktur operiert wurden, entschieden sich zunehmend Ärzte, die Methode zu lernen. Einerseits war das Angebot an Akupunkturkursen in Deutschland oder in Wien nur rudimentär, andererseits gab es bereits die Möglichkeit, in China und anderen asiatischen Ländern Akupunktur zu erlernen.

Ende der 70er Jahre wurden weitere Akupunkturfachgesellschaften gegründet, die sich die Ausbildung in der Akupunktur zum Ziel setzten. So nahm innerhalb einer kurzen Zeit die Zahl der Akupunkturtherapeuten auf einige Tausend zu. An einigen Universitäten, z.B. Gießen oder Heidelberg, wurden Akupunkturambulanzen eingerichtet, die auch klinische Forschung betrieben. Die ersten Forschungsergebnisse wurden veröffentlicht, die eine rege aber auch kontroverse Diskussion z.B. im Deutschen Ärzteblatt auslösten. Trotzdem begannen die Krankenkassen die Kosten für die Akupunktur zu bezuschussen, auch durch entsprechende Gerichtsurteile gezwungen.

Mit der Entwicklung der Schmerztherapie Ende der 80er Jahre nahm das Interesse an der Akupunktur für die Schmerztherapie zu, so daß viele Schmerzkliniken die Akupunktur in ihr Therapiespektrum integrierten. Heute zählt die Akupunktur hier zu einer weithin akzeptierten Standardtherapie, wie kürzlich bei einem Anästhesiekongress in einem Grundsatzreferat festgestellt wurde.

Anfang der 90er Jahre konnte eine weitere deutliche Zunahme des Interesses an der Akupunktur sowohl bei Patienten als auch bei den Therapeuten festgestellt werden. Die Anzahl der Akupunkturkurse nahm signifikant zu und es etablierte sich nach Absprachen zwischen den Fachgesellschaften zunächst ein Ausbildungsstandard der 140 Unterrichtsstunden umfaßte. Diese Grundausbildung wurde mit einem Akupunkturdiplom zertifiziert.

Das Interesse der Ärzte an der Akupunktur nahm Ende der 90er Jahre erneut exponentiell zu. Heute praktizieren 40.000-50.000 Ärzte Akupunktur in Deutschland. 5 von 6 führenden Akupunkturgesellschaften, die in einem Dachverband zusammenarbeiten, haben einheitliche Ausbildungsrichtlinien erarbeitet und ihre Ausbildungen auf einen neuen Standard von 350 Unterrichtsstunden mit einem 50%igen Praxisanteil erweitert.

Die privaten Krankenkassen führten 1996 eine Gebührenordnungsziffer für die Honorierung der Akupunktur bei Schmerzen ein.

Die Akupunktur entwickelte sich in den zurückliegenden 20 Jahren auch in zahlreichen Fachgebieten der Medizin z.B. der Orthopädie, Sportmedizin, Gynäkologie und Geburtshilfe. So erlernen seit zehn Jahren Hebammen die Akupunktur zur Geburtsvorbereitung und Geburtserleichterung und praktizieren sie selbständig. Auch eigenständige klinische Akupunkturforschung in diesen Teilgebieten hat sich in den letzten Jahren entwickelt. 1997 hat das Bundesministerium für Forschung und Technologie vier Forschungsstipendien zur klinischen Erforschung der Akupunktur bereitgestellt.

Seit den 80er Jahren wird die Akupunktur auch von Heilpraktikern praktiziert. In der Ausbildung ist die Arbeitsgemeinschaft für klassische Akupunktur sehr aktiv und veranstaltet jährliche Kongresse in Rothenburg.

Trotz der positiven Entwicklungen der letzten Jahre gibt es auch zunehmend Probleme: Einige Krankenkassen schränken die Erstattungspraxis für Akupunktur deutlich ein. Zunehmend gibt es auch Probleme mit der Qualität der durchgeführten Akupunktur, da viele Therapeuten eine unzureichende Akupunkturausbildung haben und sich nicht fortbilden, weil dies durch die Ärztekammern nicht reguliert wird. Durch die geplante, aber ständig verschobene Einführung einer Zusatzbezeichnung "Akupunktur" durch die Bundesärztekammer könnte der Qualitätsstandard in der Akupunkturanwendung deutlich steigen.

Autor: Dr. Gabriel Stux
Akupunktur Centrum
Goltsteinstraße 26
40211 Düsseldorf
  

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